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06/04/2018| Das Bienensterben hat viele Ursachen

Bienen sind weit mehr als nur fleißige Honigproduzenten. Honigbienen, Wildbienen und andere bestäubende Insekten spielen bei rund 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle. Kein Wunder, dass das Bienensterben schon seit Jahren große Sorge verursacht. Als Ursachen gelten unter anderem der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, der Verlust des natürlichen Lebensraums sowie bei Honigbienen die Varroa-Milbe.

Neben den Honigbienen, die von Imkern gehalten werden, gibt es in Österreich knapp 700 verschiedene Wildbienenarten, zu denen zum Beispiel auch die Hummel zählt. Zahlenmäßig gibt es deutlich mehr wild lebende Exemplare als Honigbienen. Viele der nicht von Imkern gezüchteten Tiere sind sehr klein und unauffällig, kommen jedoch überall - im Hochgebirge wie in der Stadt - vor.

Im Zusammenhang mit dem Bienensterben stehen seit Jahren die Neonicotinoide in der Diskussion. Neonicotinoide sind eine Gruppe hochwirksamer Pestizide. Sie stellen eine Gefahr für Bienen, Hummeln und andere bestäubende Insekten dar. Das hat erst im Februar die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in einem neuen Bericht klargestellt.

Bereits 2013 wurde der Einsatz von Neonicotinoiden EU-weit beschränkt, in Österreich wurde er mit Oktober 2017 zum Teil untersagt. EU-weit ist es nicht erlaubt, die drei Insektengifte etwa auf Rapssaat und beim Anbau von Kirschen, Äpfeln oder Gurken anzuwenden. Die Beschränkung hat aber Lücken und für viele Pflanzen gibt es Sondergenehmigungen. Auch beim Anbau im Gewächshaus sind die Chemikalien erlaubt. Die EU-Kommission hat ein Freiland-Verbot für Neonicotinoide vorgeschlagen, aber bis dato haben die EU-Staaten noch nicht darüber abgestimmt. Umweltschützer fordern dagegen ein komplettes Verbot dieser Pestizide.

Ein Gradmesser für das Bienensterben sind die Verluste über den Winter. Dabei schwankt der Prozentsatz von Jahr zu Jahr. Den Winter 2016/2017 überlebten rund 23 Prozent der Bienenvölker in Österreich nicht. Das waren die dritthöchsten Verluste der letzten zehn Jahre. Im Winter 2015/2016 dagegen hatte die Verlustrate nur rund acht Prozent betragen. Eine stichhaltige Erklärung für dieses Wechselbad aus hohen und niedrigen Mortalitäten gibt es noch nicht. Es handelt sich vermutlich um einen Mix aus Faktoren wie Witterung und Nahrungspflanzenangebot sowie Parasiten und Viruserkrankungen.

Bei toten Völkern konnte oft ein hoher Befall mit der Varroa-Milbe und dem Flügeldeformationsvirus in der vorangegangenen Saison nachgewiesen werden. Die Varroa-Milbe zählt weltweit zu den gefährlichsten Feinden der Bienen. In einem bis drei Jahren kann sie ein Bienenvolk komplett ausrotten. Um Blut zu saugen, bohrt die Milbe Löcher in den Chitinpanzer der Bienen. Diese Löcher, die nicht mehr zuwachsen, sind Einfallstore für verschiedene Krankheitserreger. Die Varroa-Milbe ist aber auch Überträger des Flügeldeformationsvirus. Infizierte Bienen zeigen Symptome wie Verfärbungen, Zwergenwuchs oder die namensgebenden Missbildungen der Flügel. Das Virus verkürzt nicht nur die Lebenserwartung einzelner Bienen, sondern verringert auch die gesamte Aktivität eines Bienenstocks.

Bisher mussten Imker befallene Bienenstöcke mit aggressiven organischen Säuren oder chemischen Milbenbekämpfungsmitteln behandeln, die allerdings Resistenzprobleme und Rückstände verursachen. Deutsche Forscher von der Universität Hohenheim haben aber offenbar ein neues Mittel gegen den gefährlichen Bienenschädling entdeckt. Mit Hilfe der Chemikalie Lithiumchlorid könnten befallene Bienenstöcke mit geringem Arbeitsaufwand über die Fütterung von der gefürchteten Varroa-Milbe befreit werden. Lithiumchlorid ist den Forschern zufolge einfach herzustellen und wird den Bienen mit Zuckerwasser verfüttert. Nach bisherigen Erkenntnissen hat das Mittel den Forschern zufolge auch keine gefährlichen Nebenwirkungen für Bienen, Imker oder Konsumenten und kommt in der Natur reichlich vor.

Honigbienen leben übrigens in der Stadt oft besser als in ländlichen Gebieten. In landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten macht nicht nur der Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln, sondern auch das geringere Nahrungsangebot den Bienen zu schaffen. In Parks und Gärten der Städte dagegen finden Bienen ein reiches und vielfältiges Blütenangebot über die ganze Vegetationsperiode. Wichtiges Kriterium für die Gesundheit der Honigbienen ist die Honigproduktion. Und Stadtbienen produzieren rund doppelt so viel Honig wie ihre Artgenossinnen in landwirtschaftlichen Gebieten.

 

Bild Credit: APA (dpa)

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